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HyperV - Virtualisierung mit Windows Server 2008
05.09.08

Bereits zum offiziellen Launch von Microsoft Windows Server 2008 im Februar 2008 kündigte Microsoft an, die neue, in das Betriebssystem integrierte Virtualisierungslösung HyperV bis spätestens Ende August fertigzustellen. Pünktlich zu Beginn des letzten Monats wurde die RTM Version (Release-To-Manufacture) veröffentlicht und steht seit dem auf der Microsoft Webseite zum Download bereit.

In einer kleinen Studie haben wir den HyperV ausgiebig in unserem Haus getestet und auf seine Leistungsfähigkeit untersucht. Lesen Sie in den folgenden Abschnitten mehr zu Vor- und Nachteilen sowie zu den von uns gewonnenen Erkenntnissen.

Testkonfiguration

Als Testserver kam ein Modell der Firma Hewlett Packard zum Einsatz. Ausgestattet mit aktuellen Hardwarekomponenten und ausreichend Arbeitsspeicher, verrichtete eine Dual Core Xeon CPU mit Intel VT Erweiterung ihren Dienst. Das Betriebssystem wurde in der Enterprise Version des Windows Server 2008 installiert, jedoch nicht als Server Core. Im Vergleich zur Vorgängerversion Windows Server 2003 werden bei dem neuen Betriebssystem keine Komponenten sondern Rollen oder Features installiert. Während Features als Rollen-unabhängige Erweiterungen des Betriebssystemes installiert werden können (Bsp. .NET Framework, Netzwerlastenausgleich), stellt eine Rolle den Einsatzzweck eines Windows Server 2008 dar. Diese Aufteilung erleichtert die Installation des Servers erheblich, da voneinander abhängige Komponenten automatisch und Wizard-gesteuert eingerichtet werden. Typische Rollen, die zur Auswahl stehen, sind beispielsweise die Terminalserver-, Anwendungsserver-, Dateiserver-, Active Directory Domänenserver- oder wie in unserem Falle die HyperV-Rolle.

Funktionen

Nach abgeschlossener Installation ist die sogenannte Parent Partition - bei anderen Virtualisierungslösungen auch als Hostsystem bezeichnet - einsatzbereit. In dieser Parent Partition sind die Virtualisierungsinfrastrukturtreiber enthalten, welche die Grundlage für die HyperV Technologie bilden. Diese ermöglicht den virtualisierten Clientmaschinen einen direkten Zugriff auf die Hardware, wie CPU, Speicher und Netzwerk. Laut Microsoft soll diese Paravirtualisierung - verglichen mit der nativen Virtualisierung - eine erheblich höhere Performance ermöglichen. Allerdings werden nur die Betriebssysteme Windows Server 2003, 2008 und Suse SLES 10 SP1 für die Nutzung der Paravirtualisierung unterstützt. Andere Betriebssystem können zwar installiert und benutzt werden, allerdings laufen diese im wesentlich langsameren nativen Modus.

Die Verwaltung der Funktionen sowie der virtuellen Maschinen erfolgt über die MMC des Hyper-V-Managers. Im Vergleich mit anderen Lösungen bietet der HyperV kaum mehr oder weniger Funktionen die überraschend oder grundlegend verschieden wären.

Vor- und Nachteile

Ein klarer Vorteil der neuen Virtualisierungstechnologie von Microsoft ist die Integration ins Betriebssystem des Windows Server 2008. Schnelligkeit und Stabilität kann ihr zweifelsohne zugesprochen werden. Ohne zusätzliche Kosten lässt sich HyperV schnell und einfach implementieren, bietet Unterstützung für 32 Bit und 64 Bit Host- wie Gastsysteme und kann sogar, durch Einsatz der Windows-integrierten Clusterdienste, hochverfügbaren Ausfallschutz gewährleisten. Die mit Windows Server 2008 installierten iSCSI Komponenten sorgen für eine flexible und einfach erweiterbare Speichernutzung - ohne Bedarf einer Kosten-intensiven SAN-Landschaft.

Im Vergleich mit anderen am Markt verfügbaren Lösungen besitzt HyperV allerdings einige deutliche Schwachpunkte. So kann sowohl der Hyper-V-Manager als auch die Konsole für die virtuellen Maschinen nur von einem Windows Server 2008 oder einem Vista-PC aufgerufen werden. Ein fehlendes Web-Interface mag alternativ durch eine Remote Desktop Sitzung in den Hintergrund geraten, dafür fehlt es dem HyperV an wichtigen Features: Eine "Live"-Migration virtueller Maschinen fehlt ebenso wie eine granular definierbare Ressourcenzuweisung. Zudem "verbraucht" die Parent Partition selbst - gleich ob als Standard- oder als Server Core Version - wertvolle Ressourcen wie CPU und Speicher.

Ergebnisse und Eindrücke

Nach unseren Tests erwarteten wir einen klaren Performance-Vorsprung paravirtualisierter Maschinen im Vergleich mit den nativ virtualisierten. Überraschenderweise gab es keinen erkennbaren Unterschied in den verschiedenen CPU, Speicher und Disk Benchmarks, lediglich im Grafikbereich konnte das paravirtualisierte Betriebssystem mit etwa doppelter Leistung punkten.

Abschließend bleibt zu erwähnen, dass Microsoft mit HyperV einen Schritt in die richtige Richtung gemacht hat, wenn auch leider nicht weiter als notwendig. Empfehlenswert und ganz sicher geeignet für den Einsatz in kleineren bis mittelständigen Umgebungen, die Tür in Enterprise Umgebungen werden aber sicher für andere Lösungen geöffnet werden.